Blog #allaboutpayment
Warum eine digitale Bezahlpflicht mehr ist als nur ein technisches Update
13.06.2025
Blog #allaboutpayment
Warum eine digitale Bezahlpflicht mehr ist als nur ein technisches Update
13.06.2025
Bargeld bleibt, aber digitale Bezahloptionen sollen in Zukunft Pflicht werden. So sieht es der Koalitionsvertrag von Union und SPD vor. Eine reine Komfortmaßnahme oder ein echter Schritt zur Digitalisierung in Deutschland?
Wenn man sich tagtäglich mit der Digitalisierung des Finanzwesens beschäftigt, sind manche Alltagserlebnisse nahezu unerträglich: Zum Beispiel dass der Bäcker an der Ecke auch nach Jahren grundsätzlich kein digitales Bezahlen möglich machen will. Oder wenn seit Monaten in dem einen Restaurant neben der Kasse auf einem Schild steht, das Kartenlesegerät sei derzeit „leider“ kaputt. Persönlich habe ich selten Bargeld dabei und schon so mancher Laden konnte mich nicht als Kundin gewinnen, weil ich deswegen weiterziehen und mein (digitales) Geld woanders lassen musste
In Deutschland ist das keine Seltenheit. Doch das könnte sich bald ändern, denn im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD heißt es: „Wir stellen sicher, dass jeder weiterhin selbst entscheiden kann, wie er bei Geschäften des Alltags bezahlt. Das Bargeld als gängige Zahlungsform erhalten wir. Wir setzen uns für echte Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr ein und wollen, dass grundsätzlich Bargeld und mindestens eine digitale Zahlungsoption schrittweise angeboten werden sollen.“
Wenn die designierte Bundesregierung das tatsächlich umsetzt, müssten Einzelhändler in Deutschland ihre „Nur Barzahlung“-Schilder irgendwann in den Müll werfen.
Dass der Einzelhandel das kritisch sieht, war zu erwarten. Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt unter anderem vor zusätzlichen Kosten und einer Stärkung ausländischer Zahlungsdienstleister. Er sieht den deutschen Handel in der Sache im Nachteil. Dabei übersieht der HDE, dass es bei einer Akzeptanzpflicht nicht nur um Marktanteile oder Kostenstrukturen geht, sondern um einen wichtigen Schritt zur längst überfälligen Digitalisierung des Zahlungsverkehrs in Deutschland.
Und überhaupt könnten wir uns zumindest die Aufregung, die der Vorstoß teilweise hervorgerufen hat, eigentlich sparen. Denn die Koalition muss doch erstmal beweisen, dass sie diese Vorhaben auch wirklich in verbindliches Handeln übersetzen kann. Während Union und SPD den Erhalt des Bargelds nämlich mit klaren Formulierungen zusagen, klingt die Einführung einer Pflicht zur digitalen Bezahloption schon deutlich vorsichtiger. „Wir setzen uns ein“ und „wollen“ – wer sich ein bisschen über politische Texte informiert, ahnt: Wo „wollen“ steht, fehlt oft noch der konkrete Plan. Manchmal sind solche Formulierungen auch nur eine Einladung zum Aufschieben.
Dabei würde das Vorhaben tatsächlich mal der Mehrheit der Deutschen dienen: Auch wenn wir immer noch ein Bargeld-liebendes Land sind, wünschen wir uns nämlich klar die Möglichkeit, auch unbar zu bezahlen. Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt, dass 57 Prozent der Befragten eine solche gesetzliche Pflicht begrüßen würden. Nur 23 Prozent lehnen sie ablehnen. Und das ist kein neuer Trend: Schon 2024 ergab eine Bitkom-Umfrage, dass sich drei Viertel der Bevölkerung wünschen, dass neben Bargeld auch mindestens eine elektronische Bezahlmöglichkeit angeboten werden muss.
Der Wunsch nach Wahlfreiheit beim Bezahlen ist also längst im Alltag angekommen und nicht nur unter Digital-Enthusiast:innen wie mir. Er bedeutet auch keineswegs, dass jetzt mehr als die Hälfte der Deutschen das Bargeld abschaffen möchte (mehr zu diesem polarisierenden Thema lesen Sie zum Beispiel hier). Vielmehr geht es um finanzielle Souveränität: die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie, wann und womit man bezahlt.
Und überhaupt könnten wir uns zumindest die Aufregung, die der Vorstoß teilweise hervorgerufen hat, eigentlich sparen. Denn die Koalition muss doch erstmal beweisen, dass sie diese Vorhaben auch wirklich in verbindliches Handeln übersetzen kann. Während Union und SPD den Erhalt des Bargelds nämlich mit klaren Formulierungen zusagen, klingt die Einführung einer Pflicht zur digitalen Bezahloption schon deutlich vorsichtiger. „Wir setzen uns ein“ und „wollen“ – wer sich ein bisschen über politische Texte informiert, ahnt: Wo „wollen“ steht, fehlt oft noch der konkrete Plan. Manchmal sind solche Formulierungen auch nur eine Einladung zum Aufschieben.
Um die ethischen und gesellschaftlichen Aspekte dieses Themas besser zu verstehen, habe ich mit Bernd Villhauer gesprochen, Senior Financial Advisor beim Weltethos-Institut. Er beschäftigt sich mit Finanzethik, also mit der Frage, wie wirtschaftliches Handeln und moralische Werte zusammengehen. Im Zentrum seines Denkens steht eben diese finanzielle Souveränität. Villhauer betont: „Ein Pluralismus der Zahlungsmöglichkeiten gehört auch zu finanzieller Souveränität. Der Mensch wird nicht gerne gezwungen, nur den einen Kanal oder den anderen zu benutzen.“
Das habe auch nichts mit einer bargeldlosen Utopie zu tun. Von der halte er nichts. Sollte die neue „kleine Koalition“ tatsächlich eine Pflicht zu digitalen Bezahlungsmöglichkeiten einführen, müsse es auch unterstützende Maßnahmen und hilfreiche Tipps geben, sagt Villhauer, vor allem, um kleineren Händlern den Übergang zu erleichtern.
Es gibt viele Gründe, warum ein Geschäft Bargeld bevorzugt, etwa wegen fehlendem Vertrauen in Technik oder aus Kostengründen. Gerade kleinere Unternehmen führen oft ins Feld, dass Kartenzahlungen teurer seien als Bargeld. Doch das Argument hält einer genaueren Betrachtung kaum stand, denn auch Bargeld verursacht erhebliche Kosten: angefangen bei der Beschaffung von Wechselgeld über das Risiko von Diebstahl bis hin zum täglichen Aufwand für Einzahlungen bei der Bank. Zudem entwickeln sich die Kostenmodelle bei Kartenzahlungsanbietern: Während klassische Banken häufig monatliche Mietgebühren für Kartenterminals verlangen, bieten Fintechs wie SumUp oder Zettle inzwischen flexible Modelle ohne Fixkosten an.
Und mit einem weiteren Argument sind wir wieder am Anfang angekommen: Wie viele Händlerinnen und Händler machen die entscheidende Rechnung, wenn sie vehement gegen die Möglichkeit zum digitalen Bezahlen wettern? Wer keine Wahlmöglichkeiten anbietet, der verliert Kundschaft. Das zeigt nicht nur die anekdotische Evidenz; auch die Umfragen und Experten wie Bernd Villhauer unterstreichen das. Es geht lediglich um die Wahlfreiheit, nicht um das Ende des Bargelds. Ich hoffe, die neue Bundesregierung hat das auch genauso intendiert, wie ich es verstehe – und setzt es vor allem tatsächlich um.
Wir sind Top Company 2026!
kununu, die führende Arbeitgeber Bewertungsplattform, hat die S-Payment GmbH als Top Company 2026 ausgezeichnet. Die Ehrung basiert auf den unabhängigen Bewertungen unserer Mitarbeitenden auf kununu und würdigt die hohe Zufriedenheit, das vertrauensvolle Miteinander und die wertschätzende Unternehmenskultur bei S-Payment.
Jobs bei S-Payment
Jobs in der DSV-Gruppe
#bepayment
DSV-Gruppe
S-Management Services
S-Communication Services
S-Public Services