Blog #allaboutpayment
Bargeld lacht
– aber nicht jeder Grund dazu ist schön
Digitale Bezahlmöglichkeiten gehören für viele Kundinnen und Kunden inzwischen selbstverständlich zum Einkauf. Welche wirtschaftlichen Folgen es für einen Betrieb haben kann, wenn Kartenzahlung nicht angeboten wird, zeigt das Praxisbeispiel von Frank Winkler.
Der folgende Gastbeitrag ist ursprünglich bei NEOMATIC erschienen und wird mit freundlicher Genehmigung auf s-payment.com veröffentlicht.
13.10.2026
Blog #allaboutpayment
Bargeld lacht
– aber nicht jeder Grund dazu ist schön
Digitale Bezahlmöglichkeiten gehören für viele Kundinnen und Kunden inzwischen selbstverständlich zum Einkauf. Welche wirtschaftlichen Folgen es für einen Betrieb haben kann, wenn Kartenzahlung nicht angeboten wird, zeigt das Praxisbeispiel von Frank Winkler.
Der folgende Gastbeitrag ist ursprünglich bei NEOMATIC erschienen und wird mit freundlicher Genehmigung auf s-payment.com veröffentlicht.
13.10.2026
Warum ein Kartenterminal, das ein Jahr lang aus war, am Ende die beste Investition des Ladens wurde.
Neulich in der Reinigung meines Vertrauens. Ein kleiner Laden, in dem der Geruch von Dampf und frischer Wäsche noch den Charme analoger Zeiten trägt. Vor gut einem Jahr hatte ich den Inhaber beraten, wie er sich ein Kartenterminal besorgen kann – schließlich ist das mein Fachgebiet. Er war aufgeschlossen, freundlich, interessiert. Und tatsächlich: Er hatte es umgesetzt. Das Gerät bestellt, eingerichtet, ausprobiert – alles funktionierte.
„Hat super geklappt!“, erzählte er mir stolz, als ich einige Wochen später wieder vorbeikam. Dann ein kurzes Zögern, gefolgt von einem Satz, der mich aus dem 21. Jahrhundert direkt zurück in die Neunziger katapultierte:
„Aber nach einer Woche hab ich’s wieder ausgemacht. 90 Prozent der Kunden haben mit Karte bezahlt! Da kann ich ja gar nichts mehr machen! Jetzt liegt das Gerät da hinten. Aus. Die Leute sollen bar zahlen – da ist doch gleich ein Geldautomat.“
Ich habe damals nicht weiter diskutiert. Man kennt das: Wer als Payment-Mensch einem Ladeninhaber erklären will, wie er sein Geschäft zu führen hat, verliert. Also ließ ich das Gerät in der Ecke liegen und meine Meinung für mich.
Seine Logik war ja nicht dumm. Sie war nur unvollständig. Er sah, was das Terminal kostet: Disagio bei jedem Bon, Grundgebühr, Abrechnung, ein weiteres Gerät, das Strom und Aufmerksamkeit braucht. Bei einem Hemd für 3,50 Euro fällt jeder Cent Gebühr spürbar ins Gewicht. Dazu die Sorge um die Liquidität: Bargeld liegt abends in der Kasse, die Kartengutschrift kommt später.
Das sind reale Kosten, und sie stehen auf jeder Abrechnung. Was auf keiner Abrechnung steht, ist der Umsatz, der nie zustande kam. Wer kehrtmacht, weil er kein Bargeld dabeihat, hinterlässt keinen Beleg. Er hinterlässt gar nichts. Diese Kundschaft ist unsichtbar – und genau deshalb wird sie in der Kalkulation nie berücksichtigt.
Das ist der blinde Fleck: Die Kosten der Kartenakzeptanz sind messbar. Die Kosten der Nichtakzeptanz sind es nicht.
Kürzlich war ich wieder dort. Das Terminal steht an der Kasse, eingeschaltet. Und der Inhaber war hellauf begeistert – nicht über die Technik, sondern über die Zahlen. Sein Umsatz ist seit der Wiederinbetriebnahme deutlich gestiegen. So deutlich, dass die Gebühren dagegen keine Rolle mehr spielen.
„Mir ist erst jetzt aufgefallen, wie viele Leute früher wieder rausgegangen sind. Die haben gesagt: Ach nee, da muss ich ja erst Geld holen – dann geh ich mit meinen Sachen woanders hin.“
Das ist der eigentliche Punkt dieser Geschichte. Er hat das Terminal nicht wieder eingeschaltet, weil ich ihn überzeugt hätte, und auch nicht, weil ihn jemand dazu verpflichtet hätte. Er hat es eingeschaltet und dann gesehen, was vorher gefehlt hatte. Die verlorenen Kunden waren immer da gewesen – sie waren nur nie sichtbar geworden.
Ein Laden ist keine Studie. Eine Reinigung in einer Wohngegend ist ein Sonderfall: kleine Beträge, Stammkundschaft, Laufkundschaft, die spontan vorbeikommt. In anderen Branchen sieht die Rechnung anders aus, und es gibt Betriebe, für die sich ein Terminal tatsächlich nicht lohnt.
Was sich aber verallgemeinern lässt, ist der Denkfehler. Wer die Entscheidung nur über die Gebührenseite trifft, rechnet mit der Hälfte der Zahlen. Die andere Hälfte – abgebrochene Käufe, ausgewichene Laufkundschaft, kleinere Warenkörbe, weil das Bargeld im Portemonnaie das Limit setzt – taucht in keiner Auswertung auf. Sie lässt sich nur feststellen, indem man es ausprobiert. Genau das hat mein Reinigungsinhaber getan, zweimal, und beim zweiten Mal lange genug.
Bleibt ein Aspekt, den man in dieser Debatte nicht übergehen sollte: Elektronisches Zahlen hinterlässt Spuren. Das Bundesfinanzministerium begründet seine Pläne für eine digitale Bezahlpflicht ausdrücklich auch mit dem Kampf gegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und andere Finanzkriminalität.
Mein Reinigungsinhaber steht für das Gegenteil dieses Verdachts. Er hatte nichts zu verbergen – er hatte sich schlicht verrechnet. Und ich vermute, so geht es den allermeisten Betrieben, die heute noch „nur Bargeld“ an der Tür stehen haben. Wer digitale Zahlungen fordert, sollte deshalb mit dem Argument anfangen, das für den Betrieb selbst zählt, und nicht mit dem, das ihn unter Generalverdacht stellt.
Lange war die Pflicht zur digitalen Bezahlmöglichkeit ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag, mehr nicht. Inzwischen liegen Eckpunkte aus dem Bundesfinanzministerium vor: Unternehmen sollen überall dort, wo Waren und Dienstleistungen direkt vor Ort bezahlt werden, künftig mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten. In Kraft treten sollen die Regeln 2027; der Gesetzentwurf soll noch in diesem Jahr ins Kabinett.
Wichtig für die Praxis: Verlangt wird nicht zwingend ein Kartenterminal, sondern mindestens eine digitale Option – Karte, Handy oder Uhr. Und es geht nicht darum, das Bargeld abzuschaffen. Es bleibt wichtig, nützlich und Teil unserer Kultur. Es geht um Wahlfreiheit an der Kasse.
Wer jetzt plant, hat Zeit, in Ruhe zu vergleichen: Konditionen, Vertragslaufzeiten, Anbindung an die Kasse, Auszahlungsrhythmus. Wer wartet, entscheidet 2027 unter Zeitdruck. Das ist selten die günstigere Variante.
Am Ende wird die Pflicht für viele Betriebe nur beschleunigen, was sich betriebswirtschaftlich ohnehin rechnet. Mein Reinigungsinhaber hat den Beweis vor mir angetreten – freiwillig, aus Versehen und ein Jahr zu spät. Das Gerät, das er einmal in die Ecke gelegt hat, steht heute wieder an der Kasse. Und diesmal bleibt es an.
Dieser Gastbeitrag von Frank Winkler erschien ursprünglich bei NEOMATIC. Wir danken NEOMATIC für die freundliche Genehmigung, den Beitrag auch auf s-payment.com veröffentlichen zu dürfen.
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