Tankstellen: Debitkarten bauen Vorsprung aus

04.11.2021

An den Tankstellen in Deutschland haben die Kunden im Jahr 2020 deutlich häufiger mit Debitkarten bezahlt, und zwar 40,6 Prozent des Umsatzes - ein Plus von 4,8 Prozentpunkten. Kartenzahlung hat damit ihren Vorsprung vor dem Bargeld im Vergleich zum Vorjahr noch weiter ausgebaut.

Das Bezahlen von Kraftstoff oder Shop-Artikeln mit Münzen und Scheinen kam nur noch auf 33,6 Prozent, ein Rückgang um 1,3 Prozentpunkte. 

Dies sind Ergebnisse der Jahreserhebung 2020/21 „Marktentwicklungen und Zahlungssysteme auf Tankstellen in Deutschland“ der Unternehmensberatung Stolte Consult. Inhaber Jens Stolte präsentierte die Zahlen Mitte Oktober beim Leit-Kongress der Mineralölbranche, dem Uniti Cards und Automationsforum in Hamburg.

Stolte-Studie Zahlverfahren gesamt an Tankstellen

© stolte consult

Autofahrer bezahlen Sprit & Co. mit Debitkarten
Die Girocard konnte laut Studie vom gesamten Debitkarten-Umsatz 85,5 Prozent für sich verbuchen, ein Zuwachs von 3,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Das ec-Lastschriftverfahren habe an den Tankstellen erneut massive Einbrüche beim Umsatzanteil hinnehmen müssen. Dieser sei von 11,2 Prozent auf 6,1 Prozent gefallen. Girocard-Wachstum und Lastschrift-Absturz sind laut Stolte die Folge der Rückkehr von Aral von der ec-Lastschrift zur Girocard im Jahr 2018. Diesem Beispiel seien seitdem immer mehr Mineralölgesellschaften gefolgt. 

Der restliche Debitkarten-Umsatz verteilte sich auf die Zahlverfahren Maestro mit 5,5 Prozent Umsatzanteil (2019: 3,4 Prozent), die Debit Mastercard mit unverändert 1,0 Prozent sowie die Visa Debitmarke V Pay mit 1,2 Prozent (2019: 0,9 Prozent).

Stolte-Studie Debitkarten-Umsatz an Tankstellen

© stolte consult

Der weitere Rückgang des Bargeldanteils sei laut Stolte Consult aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen, weil der Absatz von Kraftstoffen 2020 weiter rückläufig gewesen sei; zum anderen, weil gleichzeitig im Shop-Geschäft, in dem bisher wegen vieler Kleinbetragszahlungen eher Bargeld dominiert habe, wiederum eine Steigerung zu verzeichnen gewesen sei. Offenbar bezahlen also die Kunden auch ihre Zeitung und ihren Kaffee an der Tankstelle immer häufiger bargeldlos.

Kreditkarten verlieren deutlich
Bei den Kreditkarten fiel laut der Erhebung im Jahr 2020 der Umsatzanteil sogar noch unter das Niveau des Jahres 2019: von 11,3 Prozent auf 9,6 Prozent. Dies könnte laut Stolte darauf zurückzuführen sein, dass während der Coronapandemie 2020 Firmen- und Mietwagen weniger genutzt wurden. 

Vom Kreditkartenumsatz an Tankstellen entfielen 2020 gut 49,8 Prozent auf Mastercard (2019: 50,7 Prozent), 43,8 Prozent auf Visa (2019: 43,0 Prozent) und 6,3 Prozent auf American Express (2019: 6,3 Prozent). 

Wachstumsmarkt: „Mobile Fueling“ an Tankstellen
Erstmals betrachtete Jens Stolte in seiner Studie den „Emerging Market“ für „Mobile Fueling“-Lösungen – Autofahrer:innen können damit direkt aus einer App heraus ihre Tankfüllung bezahlen, ohne das Auto verlassen und in das Tankstellengebäude laufen zu müssen. Von 3655 an der Befragung teilnehmenden Tankstellen akzeptieren 1600 Shell Smart Pay, 1150 die Total e-Wallet, 660 die Lösung Fillibri und375 die Pace-App. 

Stolte-Studie Mobile Fueling-Lösungen an Tankstellen

© stolte consult

An der Studie beteiligten sich Unternehmen, die zusammen mehr als 13.100 Tankstellen und damit mehr als 90 Prozent aller Stationen in Deutschland betreiben sowie einige Netzbetreiber und Acquirer.